
- Dr. Friedrich List

- Pläne zur Entwicklung des deutschen Eisenbahn-Systems

- Der Deutsche Bund, wie ihn der Weimarer Kongreß 1815 geschaffen hatte, umfaßte 38 Staaten. Jeder war ein Zollgebiet für sich und - wirtschaftspolitisch gesehen - ein unmögliches Gebilde
Verkannt, verbannt, verzweifelt...
Dr. Friedrich List wurde vor 200 Jahren am 6. August 1789 geboren. Er war Beamter, Professor, Politiker, Journalist, Eisenbahnpionier, Nationalökonom und - beinahe Gothaer Kollege.
„Das Institut der Brand-Assekuranz findet allgemeinen Beifall. Mit Vergnügen werde ich alles dazu beitragen, diese gemeinnützige Anstalt auszubreiten, und ich entbiete mich, die Kommissionsgeschäfte in Schwaben zu besorgen, wenn Sie mich dazu für tüchtig erachten”, das schrieb List am 24. November 1820, also schon kurz nach Gründung der Gothaer Feuer.
Wie Ernst Wilhelm Arnoldi, der Gründer der beiden Gothaer Muttergesellschaften, sah Friedrich List das Übel seiner Zeit in der Zersplitterung Deutschlands in zahllose Königreiche und Fürstentümer.
Der Deutsche Bund, wie ihn der Weimarer Kongreß 1815 geschaffen hatte, umfaßte 38 Staaten. Jeder war ein Zollgebiet für sich und - wirtschaftspolitisch gesehen - ein unmögliches Gebilde.
Wenn schon politisch keine Einigung erzielt werden konnte, so sollte wenigstens eine wirtschaftliche Integration Deutschlands erreicht werden. Diesen Gedanken vertrat auch Arnoldi, denn seine Gründungen waren von vornherein auf das ganze deutsche Sprachgebiet abgestellt. Er verhielt sich aber - wohl mehr aus Vorsicht - gegenüber Lists Bestrebungen reserviert. Die herrschende Bürokratie sah in ihm einen Agitator, nahm ihm seine Professur, warf ihn ins Gefängnis und zwang ihn schließlich zur Auswanderung nach Amerika.
Als List 1832 zurückkehrte, fanden seine Pläne zur Entwicklung eines deutschen Eisenbahnsystems bei Arnoldi wiederum Unterstützung. Eine freundschaftliche Berührung beider Männer ergab sich 1840 bei dem Projekt der thüringischen Eisenbahn. Gemeinsam setzten sie durch, daß die Bahn durch die volkreichen Städte Naumburg, Weimar, Erfurt, Gotha und Eisenach geführt wurde.
Bedauerlicherweise brachte auch diese Pioniertat List keinen Ruhm ein. Ebensowenig wie seine Nationalökonomie. Auch sein letzter Plan, zwischen England und dem deutschen Zollverein eine Allianz zu knüpfen, scheiterte.
Verkannt, verbannt, verzweifelt - in der Nähe von Kufstein fand man Friedrich List am 3. Dezember 1846 halbsitzend und von Schnee bedeckt. Er hatte seinem Leben mit einem Schuß in den Kopf ein Ende gesetzt.

