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Du lebst für Dich, wenn Du für Andere lebst

Du lebst für Dich...

Man stutzt und muss nachdenken über diesen Ausspruch. Er klingt alt, sehr alt. So wenig ist Selbstlosigkeit noch eine Tugend unserer Tage.

Um so mehr ein Grund, an einen Mann zu erinnern, der ihn zur Maxime seines Lebens machte: an Ernst Wilhelm Arnoldi.

Dem grauen Betonklotz mit dem eingelassenen Marmor-Medaillon begegnete man mehr zufällig am Rande von Gotha unter hohen Bäumen. Arnoldis Nase ist abgestoßen. Ein Fragment seines Grabsteins ruht im Seitenhof von Schloss Friedenstein.
Fast wäre er in Vergessenheit geraten, der einstmals so große Sohn der einstmals so blühenden Residenzstadt der Herren Herzöge von Sachsen-Coburg-Gotha. Die deutsche Einheit hat ihn - so grotesk das klingt - vor dem Vergessenwerden bewahrt. Als Unternehmer auf dem Höhepunkt der industriellen Revolution und Frühkapitalist war er unter dem SED-Regime nicht sonderlich verehrungswürdig. In der sozialen Marktwirtschaft dagegen ist er wieder ein Vorbild und Vorkämpfer par excellence.

Am 27. Mai 1991, an dem Tag, an dem ihn vor 150 Jahren der Tod überraschte, wurde er wieder auf den Sockel gehoben.

Im Juli 1991 war es soweit. Einem wahren Arnoldi-Festival glich es, als die Gremien der Gothaer Gesellschaften in der Gründerstadt sich versammeln. Im Thronsaal von Schloss Friedenstein, auf dessen glattem Parkett auch Arnoldis Schritte gehallt haben mögen, als er 1820 mit Degen und Hut al'Androssmane der Landesregierung seinen Plan zur Errichtung einer Feuerversicherungsanstalt für den deutschen Handelsstand überreichte.
Er war schon ein bewundernswürdiger Mann, unser Arnoldi. Nicht nur, weil er drei Fabriken, zwei Versicherungsgesellschaften und eine Berufsschule gründete, ein Buch über die Zuckerrübenveredelung schrieb, sich für die deutsche Zollunion einsetzte, den Eisenbahnbau durch Thüringen forcierte, eine so schöne Frau hatte, dass Feinschmecker Goethe sich eine Gipsbüste erbat, sondern weil er darüber hinaus auch noch Gedichte verfasste. Welcher Manager von heute würde das tun oder besser, welcher Manager von heute würde den Mut haben, das zu tun?
Wir schulden ihm Respekt, in jeder Beziehung - nicht nur zu seinem 150. Todestag.

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