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FRÜHLINGS-ERWACHEN

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Ernst Wilhelm Arnoldis Geburtstag war bei den Gothaer Gesellschaften, insbesondere aber bei der Gothaer Lebensversicherungsbank, immer ein Grund zum Feiern. Der Berggarten in Gotha, Eisennach mit der Wartburg, Bad Blankenburg oder Mülhausen in Thüringen waren vor dem zweiten Weltkrieg die Austragungsplätze dieses bei der Belegschaft - etwas später hieß es bis 1945 „Gefolgschaft” - so beliebten Spektakels.

Gedichtrezitationen wechselten ab mit gemeinsamen Liedern, der Betriebschor gab sein bestes, zwischen, vor und nach dem Essen, die Turnergruppe L.V.B. posierte und am Ende gab es dann den gemeinsamen Rückmarsch mit Musik und Gesang.

Die Programm-Hefte waren zeitgemäß schön gestaltet; die Hausdruckerei präsentierte sich stolz rechts unten auf der Titelseite. Und immer wird der Frühling besungen, denn Arnoldi wurde im Wonnemonat Mai geboren.
Frühlingswunder, Frühlingsgruß, Frühlingsbetrachtung ist jeweils ein Gedicht überschrieben, das von 1927 bis 1939 (für diesen Zeitraum liegt uns ein komplettes Konvolut vor) jedem Programm vorangestellt und immer mit dem Buchstaben E. gezeichnet ist, bemerkenswert nicht etwa wegen seiner dichterischen Qualität sondern wegen seiner Tendenz, die sich in die Zeilen einschlich.

1929 wurde noch der „rauschende Bach” und „der Vöglein lustiger Chor” besungen.
1930 zur Melodie „Ich bin ein Deutscher” die neu erfundene Luftrakete bewundert.
1931 erwacht das Volk aus „Nacht und Schlaf zu neuem Leben”.
1932 geht man schon „in gleichem Schritte in Gottesfurcht, in Zucht und Sitte”.
1933 „reicht jeder erfreut Herz und Hand dem neuen deutschen Vaterland”.
1934 „sind wir bereits von haßerfüllter Welt von allen Seiten umstellt”.
1935 „werden Kanonen geladen”.
1936 beschwört E. „Halte segnend Deine Hand über unseres Führers Schritte und dem deutschen Vaterland.”
1937 sind wir „gefeit in deutschen Landen gegen feige Niedertracht seit wir starke Arme fanden”.
1938 „Jubeln die Vöglein im Walde von Zweig zu Zweig: Heil Führer, ein Volk, ein groß­deutsches Reich”.
1939 „Jubeln wieder die Vöglein im lustigen Chor ihr Danklied zum Himmel empor”.

Einem, der die Zeit noch erlebt hat, läuft es dabei kalt über den Rücken. Naivität kann man dem Reimer nicht zugute halten, denn ein Naiver hätte wohl stolz den vollen Namen unter sein Produkt gesetzt. Naiv aber waren wohl alle anderen, die E. über zehn Jahre lang machen ließen. Wir haben uns übrigens vorgenommen, den Komplex: „die Gothaer während der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft” einmal historisch aufzuarbeiten.

Frühlingswunder.

Frühlingssonne, Maienluft, Waldesrauschen, Wiesenduft.
Wie ist Gottes Welt so schön In den Tälern, auf den Höh'n,
Überall spriesst neues Leben, Neues Werden, emsig' Streben.
Dort am Bach im Wiesengrund Blühen Blumen zart und bunt,
Und aus nahgelegnem Wald Jubelsang der Vöglein schallt.
Wie's im Walde jubiliert, In den Lüften tiriliert,
So zieht im Frühlingssonnenschein Freude in die Herzen ein. -
Nun ist in neuer Frühlingspracht Auch unser deutsches Volk erwacht.
Froh erweckt zu neuem Leben, Neuem Werden, ems'gem Streben.
Nicht unterwühlt mehr allerorten
Durch Klassenhass und feiges Morden;
Nein, alles geht in gleichem Schritte, In Gottesfurcht, in Zucht und Sitte,
Mit Arbeit, Kunst und frohen Liedern, Als ein geeintes Volk von Brüdern.
Gott, führ' dies Volk mit deinem Segen Auf allen seinen künft'gen Wegen,
Umschling es mit der Liebe Band; Heil dir, mein deutsches Vaterland!
E.

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