Sie sind hier: Museum / Bedeutende Personen der Gothaer Geschichte / Gustav Hopf: MEIN AMT ÜBER ALLES

Gustav Hopf: MEIN AMT ÜBER ALLES

gustav-hopf
Gustav Hopf
rathaus-gotha-friedensstein
Der Marktplatz und das Rathaus von Gotha zur Zeit Gustav Hopfs. Im Hintergrund Schloß Friedenstein, die herzogliche Residenz

Der im damaligen Sinne erste Direktor der Gothaer Lebensversicherungsbank für Deutschland in Gotha und damit Nachfolger von Ernst Wilhelm Arnoldi in der Geschäftsführung war Gustav Hopf (Amtszeit 1863 bis 1872). Aus den Analen geht hervor, daß gerade Gustav Hopf in idealer Weise Theorie und Praxis verband. Professor Dr. Arwed Emminghaus (Generaldirektor der Gothaer Leben von 1873 bis 1903) schreibt über seinen Vorgänger: „Nicht weniger als 37 Jahre hat Gustav Hopf an der Spitze der Bankverwaltung gestanden und während dieser Zeit seine Lebensaufgabe darin erblickt, die Bank, dieses dem Menschenwohle gewidmete Werk, immer vollkommen zu gestalten. Welch ein beneidenswerthes Loos ist der reichen, rastlosen Arbeit dieses Mannes zu Theil geworden!” (Zitat aus „Geschichte der Lebensversicherungsbank für Deutschland 1877”.)

Gustav Hopf wurde am 29. Mai 1808 in Ohrdruf nahe Gotha geboren. Seine Eltern waren „schlichte Leute, Pächter des Gehöftes Hundsbrunn, in beschränkten äußeren Verhältnissen: doch wußten sie es möglich zu machen, dem frühgeweckten Knaben durch einen Hauslehrer den ersten Unterricht ertheilen zu lassen”. Nach weiteren Schuljahren am Progymnasium in Ohrdruf und am Gymnasium in Gotha studierte Hopf an der Universität zu Göttingen. Sein Studienfach waren die „Cameralwissenschaften” (Finanzwissenschaft) im weitesten damaligen Sinne des Wortes. Hopf beschäftigte sich auch mit Mathematik, Chemie und Physik. Außerdem belegte er die Fächer Botanik und Mineralogie. Als Student verfaßte er eine sogenannte Preisschrift über Hygrometrie, für die er den zweiten Preis erhielt. Nach bestandenem Staatsexamen fand er eine Anstellung bei der damaligen Herzoglich Gothaischen Kammer, in deren Dienst er zuerst als „Accessist”, dann als „Rentcommissais” tätig war. Hier lernte er auch Ernst Wilhelm Arnoldi kennen, der ihn später zu einem Wechsel zur Gothaer Lebensversicherungsbank bewegte.

Frühzeitg erkannte Gustav Hopf, wie notwendig der Gedankenaustausch mit „hervorragenden Fachgenossen” war und knüpfte zahlreiche Verbindungen. Ein Hauptaugenmerk richtete er dabei auf England, wo die Lebensversicherung damals noch zu Hause war. Seine ersten persönlichen Kontakte zu englischen Gelehrten resultieren aus einer Reise, die er um die Mitte der vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts unternahm. Dort wurden seine Arbeiten und sein Urteil hoch geschätzt. Die statistische Gesellschaft in London ernannte ihn 1864 zu ihrem auswärtigen Mitglied, das Institute of Actuaries machte Hopf zu seinem korrespondierenden Mitglied. Fachleute aus Frankreich, Österreich und Belgien (wo er bereits seit 1857 korrespondierendes Mitglied der Commission central de statistique in Brüssel war) vertrauten seinem Sachverstand ebenfalls in besonderem Maße. In Deutschland hatte ihn die Königliche Akademie der gemeinnützigen Wissenschaften zu Erfurt schon 1851 zum korrespondierenden Mitglied ernannt. Mehrfach wurde Gustav Hopf von deutschen Regierungen um Rat und Gutachten gebeten. Bei Professor Dr. Emminghaus ist nachzulesen: „Eine vielseitige Tätigkeit hat Hopf auch in seinem engeren Vaterland, in Gotha selbst entfaltet. Er war im Aufsichtsrat der Gothaer Privatbank, der Innungshalle und Handelsschule, der Gesellschaft für Wasserversorgung und ist außerdem Begründer und Förderer verschiedener wohltätiger und gemeinnütziger Vereine.”

Gustav Hopf heiratete 1838 Marie Henneberg. Ihre vier Söhne ließen sie „wegen der Qualität” an der Göttinger Universität studieren.
„Wer nach einem lediglich äußeren Bilde von Demjenigen verlangt, was Gustav Hopf für die Entwicklung der Lebensbank geleistet hat”, so heißt es in einer zeitgenössischen Publikation, „könnte auf die große Reihe von Zusatzbestimmungen hingewiesen werden, welche in der Zeit von 1835 bis 1872 das Grundgesetz der Bank deren Verfassung erhielt. Sie sind fast ausnahmslos seiner Initiative zu danken. Nur müßte für den Fernerstehenden erläuternd hinzugefügt werden, daß diese Zusatzbestimmungen herbeizuführen, in jedem Falle vermöge der Organisation der Bank das Werk ungewöhnlich reicher Arbeit gewesen, daß einer Verfassungsmodifikation, die den Raum von nur wenigen Zeilen einnimmt, häufig die schriftliche kritische Arbeit von Jahren vorausgegangen ist.” In einer bald nach seinem Tode (Gustav Hopf verstarb am 8.10.1872) gedruckten Gedenkschrift heißt es außerdem: „Mein Amt über Alles - das hat Gustav Hopf noch auf dem Totenbett als die oberste Maxime seines Lebens bekannt. Und so war es. Von dem Tage an, welcher ihn in die neue Stellung einführte, gehörte ihr sein ungeteiltes Trachten und Streben. In ihm ist er keine Stunde ermüdet und noch in den letzten Gedanken des Sterbenden lebte dieses große Interesse. Es war mehr als der gewissenhafte Gehorsam eines strengen Pflichtgefühls; es war in Wirklichkeit die Hingebung des ganzen Menschen an ein großes Lebenswerk in unverbrüchlicher Treue und selbstloser Aufopferung. Alles drehte sich in ihm um seinen Beruf.”

To top Home page Information Site map Contact us