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Martin Vollert, Erneuerer der Gothaer Feuerversicherungsbank

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Martin Vollert - Portrait von H. Tiemann, 1966
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Generaldirektor Martin Vollert (1. Reihe, 3. v. L) bei einer Arnoldifeier 1934 im Kurhaus Friedrichroda

Die Zerrüttung der deutschen Währung in den Jahren 1918-23 nach dem 1. Weltkrieg stürzte das gesamte Versicherungswesen in eine tiefe Krise. Insbesondere die Sachversicherung, deren wichtigster Repräsentant die Feuerversicherung war, hatte ausgesprochene Probleme mit der Anpassung der Versicherungssummen an die immer schneller steigenden Baukosten und Sachwerte.
Dadurch, daß bei den Versicherten in jedem Fall Unterversicherung bestand, war der Versicherungsschutz praktisch wertlos.
Die ständigen Vertragsveränderungen durch Summenerhöhungen ließen die Verwaltungskosten lawinenartig ansteigen, so daß die Beitragseinnahmen schließlich nicht einmal mehr die laufenden Gehaltszahlungen deckten.
Die als Aktiengesellschaft organisierten Versicherungsunternehmen waren scheinbar den Gefahren der Inflation besser gewachsen als die Versicherungsvereine, weil sie die Möglichkeit hatten, an den Kapitalmarkt heranzutreten und durch Ausgabe von Aktien Substanzverluste auszugleichen.
Man sprach seinerzeit von einer „Nichtbewährung des Gegenseitigkeitssystems”.
Martin Vollerts großes Verdienst war, die Gefahr rechtzeitig erkannt und die Gothaer Feuer auf eine neue Grundlage gestellt zu haben, so daß sie den Anforderungen der kommenden Jahrzehnte gewachsen war.

Vollert war in der Tradition Weimars aufgewachsen, wo sein Großvater Finanzminister war. Am 1. Januar 1924 wurde er Generaldirektor und führte das Amt durch die sogenannten goldenen zwanziger Jahre, durch den 2. Weltkrieg mit seinen Zerstörungen und den Verlust des Stammsitzes in Gotha 1945, durch die Wiederaufbauperiode bis Juni 1958.
59 Jahre stand er im aktiven Dienst, 35 Jahre davon als Generaldirektor.
Unter seiner Leitung wurde das Unternehmen völlig umgestaltet. Aus der „guten alten Gothaer” wurde ein modernes Unternehmen, das den Stürmen der folgenden Jahrzehnte trotzen konnte.
„Insofern liegt in Vollerts Lebenswerk eine Leistung, die der Schöpfung der Bank durch Ernst Wilhelm Arnold! gleichsteht”, schreibt Prof. Dr. Karl Hax in der Festschrift zum 150jährigen Bestehen des Unternehmens.

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