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Brandgilden als Ursprung der Feuerversicherung

Neben der Angst vor dem Verlust von Waren während eines Transportes war bei den Menschen die Furcht, ihr Hab und Gut durch einen Brand zu verlieren, am größten. Die Feuerversicherung wird deshalb auch als Prototyp der Sach- und Schadenversicherung bezeichnet. Der Anstoß zum gemeinschaftlichen Schutz gegen das Feuer kam aus den Reihen der Gilden. Diese Zusammenschlüsse von Handwerkern und Kaufleuten waren reine Zweckgemeinschaften und hatten die Aufgabe, einerseits die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Mitglieder zu erhalten und andererseits in Not geratene Mitglieder zu unterstützen. Die erste neuzeitliche Brandgilde wurde 1537 in Süderau errichtet. Schnell etablierte sich diese frühe Form der Feuerversicherung, und es entstanden in ganz Schleswig-Holstein viele lokale Notgemeinschaften, deren Mitglieder meist Hausbesitzer waren.

Bedeutsam für die weitere Entwicklung des Feuerversicherungswesens waren die Hamburger Feuerkontrakte, eine private Vereinigung von Hausbesitzern. Der erste derartige Vertrag aus dem Jahr 1591 ­wurde unter 100 Hamburger Brauereibesitzern abgeschlossen. Jeder Beteiligte verpflichtete sich, jedem "Abgebrannten" aus ihrer Mitte im Falle eines durch Brand verursachten Totalschadens je zehn Reichstaler zu zahlen. Diese Entschädigung stand dem "Abgebrann­ten" nur dann zu, wenn er das zerstörte Gebäude innerhalb eines Jahres wieder aufbaute.

Aufgrund der Zunahme von Bränden beauftragte der Rat der Stadt Hamburg 1676 eine Arbeitsgruppe mit der Ausarbeitung einer "General-Feuer-Cassa" für das gesamte Stadtgebiet; sie sollte die vielen kleinen Feuerkontrakte ersetzen. Dies war der Ursprung der Hamburger Feuerkasse; sie bestand bis zum Jahr 2005 und war das älteste Versicherungsunternehmen der Welt. Anders als die privatrechtlichen Feuerkontrakte war die Hamburger Feuerkasse damals eine Anstalt des öffentlich-rechtlichen Versicherungswesens. Träger waren nicht mehr die einzelnen Mitglieder, sondern die öffentliche Hand. Nach diesem Vorbild entstanden weitere derartige Gebäude-Brandversiche­rungsanstalten in allen deutschen Teilstaaten.

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