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Ein Feuermelder von anno dazumal

Ein Feuermelder von anno dazumal
Friedrich von Schiller, geboren am 10.11.1759 in Marbach, gestorben am 9.5.1805 in Weimar
Ein Feuermelder von anno dazumal
Feuerglocke aus dem Château Cabarieu du bois Mila, Montauban

"Wohltätig ist des Feuers Macht, wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht ..." Generationen von Schülern mussten es auswendig lernen: Friedrich von Schillers "Lied von der Glocke". Und keiner nach ihm hat je die Gewalt des Feuers so eindrucksvoll in Verse gefasst. Die "freie Tochter der Natur" verbreitet auch heute noch Angst und Schrecken, vernichtet Hab und Gut und Menschenleben, treibt Betroffene in den Ruin, nicht selten an den Bettelstab.

Die Landesfürsten versuchten im Mittelalter, durch allerlei Verordnungen, Bauvorschriften und vielfach auch kuriose Erlasse, über die wir heute nur lächeln können, der Brandgefahr Herr zu werden. So wies eine Order die Hausbesitzer an, mit Bibelsprüchen beschriftete Holzteller bereitzuhalten und gegebenenfalls in die Flammen zu werfen. Ein anderer Landesherr stellte Bürgern, die Haus und Hof durch Brand verloren hatten, einen so genannten Bettelbrief aus.

Das Aufkommen der Brandgilden im 15. Jahrhundert war ein Segen. Die Mitglieder verpflichteten sich zu gegenseitiger Hilfeleistung. Ausschließlich auf finanzielle Unterstützung im Brandschadenfall hin waren die seit dem 16. Jahrhundert in Hamburg gegründeten "Feuerkontrakte" angelegt. Sie wurden 1676 zur "Generalfeuerkasse" (der heutigen "Hamburger Feuerkasse") vereinigt. Sie ist das weltweit älteste, heute noch existierende Feuerversicherungsunternehmen (übrigens Mitglied im Museum der deutschen Versicherungswirtschaft e.V.). Ein ganzes Arsenal von Feuerlöschgeräten der verschiedensten Art, mittelalterliche Feuerverordnungen, Ansichten von Stadt- und Theaterbränden sowie von Rettungsaktionen, Guckkastenbilder, allegorische Feuer-Darstellungen, Utensilien der Feuerwehr und vieles mehr zum Thema Brand sind im Museum der deutschen Versicherungswirtschaft ausgestellt.

Neuestes Exponat ist eine Feuerglocke, wie sie bei einsam gelegenen Schlössern, Landsitzen und Herrenhäusern hoch auf dem Dach angebracht waren, damit bei einem Brand Hilfe herbeigeläutet werden konnte. Das abgebildete Exemplar stammt aus dem Château Cabarieu bei Montauban im Südwesten Frankreichs. Der neue Besitzer des Schlosses ließ eine moderne Feuermelde- und eine Sprinkleranlage einbauen, weil sein Feuerversicherer die alte Glocke als nicht mehr ausreichenden Schutz erachtete, und überließ die ausgemusterte Feuerglocke dem Museum der deutschen Versicherungswirtschaft.


Günther Gottschalk

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