Sie sind hier: Museum / Versicherungsdokumente / Colorierte Bilder

Schröcklichschön

Colorierte Bilder
Der Versicherungsnehmer als Phoenix aus der Asche auf einer satirischen Zeichnung aus dem 19. Jahrhundert: "Das meine (Haus) ist versichert; also ist es mir egal."
Colorierte Bilder
Die Technik des Handkolorierens wird bei dieser Abbildung deutlich

Kolorierte Bilder von Feuersbrünsten aus dem Museum der deutschen Versicherungswirtschaft

Die Zähmung des Feuers vor Tausenden von Jahren zur gezielten Nutzung hat eine ähnliche Bedeutung für die kulturelle Entwicklung des Homo sapiens wie die Erfindung des Rades. Neben dem Nutzen stand von Anfang an auch die Gefahr, die das Feuer für Hab und Gut, Leib und Leben des Menschen bedeutete. Diese Bedrohung nahm von jener Zeit an zu, in der die Sippschaften damit begannen, ihre Höhlen zu verlassen und Häuser zu bauen, in die sie das Feuer mitnahmen.

Beschränkt blieb die Feuergefahr zunächst auf die zumeist einzeln stehenden Bauten. Als sich Haus dann neben Haus zu Dörfern, größeren Gemeinwesen und schließlich Städten reihte, waren Brandkatastrophen vorprogrammiert. Die in engen Straßen dicht an dicht stehenden Holzbauten wurden nur allzu leicht ein Raub der Flammen. Brandstifter - so genannte Mordbrenner - und "umherziehendes Gesindel" wurden im 16. und 17. Jahrhundert zu einer wahren Landplage. Der Funkenflug offener Feuerstellen, herunterbrennende oder umgestoßene Kerzen und die Glut achtlos beiseite gelegter Pfeifen sorgten nicht selten für nur schwer zu bekämpfende Schadenfeuer riesigen Ausmaßes.

Amtliche Verordnungen zur Vorbeugung gingen meist ins Leere. Die Vorschriften zur Errichtung von Brandmauern wurden ebenso missachtet wie die Verpflichtung, keine offenen Herdfeuer mehr zu betreiben.

Es nützte auch wenig, dass im Königreich Preußen Scheunen aus dem Stadtinneren verbannt und Strohdächer verboten wurden. Die Bedeutung, die der König dieser Anordnung beimaß, geht aus seiner Beischrift zu einem Bericht der Magdeburger Kammer aus dem Jahre 1722 hervor: "ich gehbe dilacion biß 1723 1. augusti soll alles umbgedeckt sein oder ich alle commis(sarii) loci hengen lassen werde." Diese "commissarii loci" hatten neben ihren steuerlichen und finanzwirtschaftlichen Aufgaben auch dafür zu sorgen, dass die königlichen Verordnungen - in diesem Falle der Verzicht auf Strohdächer - durchgeführt wurden.

Selbst das Rauchen war einigen Landesfürsten suspekt. Kurfürst Johann Georg I. untersagte am 25. Mai 1653 beispielsweise den Bewohnern Dresdens "ganz allgemein ohne jede Ausnahme das Tabaktrinken" wegen der damit verbundenen Feuergefahr für die Häuser und unter Bezugnahme auf dadurch schon verursachte Brände. Der Verkauf von Tabak war nur den Apotheken "unter denen verschriebenen Artzneyen" gestattet.

Unvorsichtigkeit und Schlendrian führten immer wieder zu verheerenden Feuersbrünsten. Abbildungen dieser Katastrophen aus mehreren europäischen Ländern und sogar aus New York in den verschiedenen grafischen Ausdrucksformen Holzschnitt, Kupfer- oder Stahlstich, Lithografie oder Radierung schmücken diese Homepage. Sie wurden schwunghaft und in zum Teil erstaunlich hoher Auflage gehandelt, um die schon damals grassierende Sensationslust zu befriedigen.

Denn auch auf diesem Gebiete ähnelten uns unsere Vorfahren. Schließlich kommt der Erfolg von Boulevard-Zeitungen und Klatsch-Illustrierten sowie die Berichterstattung in den elektronischen Massenmedien nicht von ungefähr.

Der Farbdruck als Handelsware war zur Entstehungszeit der Blätter noch nicht möglich. Daher wurden diese Grafiken von Hand "colorirt", wie man damals schrieb. Im Museum der deutschen Versicherungswirtschaft befinden sich einige der Bilder in zwei-, mitunter gar dreifacher Ausführung. An ihnen lässt sich sehr schön die Handarbeit des Kolorierers erkennen; denn die Farbabweichungen sind klar erkennbar und offensichtlich nicht auf das Alter der Werke zurückzuführen. Und so wurden aus dem gleichen Motiv - nicht ganz so streng genommen - wertvolle Unikate.

To top Home page Information Site map Contact us