Sie sind hier: Museum / Versicherungsdokumente / Versicherungsscheine

Wertpapiere

Versicherungsscheine
Försäkrings Aktiebolaget "Ocean", Hälsingborg, 12. Mai 1921, 237x361mm, vierseitig
Versicherungsscheine
Lebensversicherungs-Anstalt für Armee und Marine, Berlin, 1. Juli 1899, 210x230mm, vierseitig
Versicherungsscheine
Lebensversicherungsbank für Deutschland, Gotha, 10. Okt 1894, 258x418mm, vierseitig

Sich gegen die Unbilden des Lebens abzusichern ist längst nichts Besonderes mehr. Mit dem Beginn der Volljährigkeit einher geht oft der Erwerb des Führerscheins und eines fahrbaren motorisierten Untersatzes. Die Folge davon ist der Abschluss einer privaten Haftpflichtversicherung und einer Autoversicherung, um Schadenersatzforderungen Dritter wirkungsvoll begegnen zu können.
Später, wenn eine Familie gegründet worden ist, geht es um deren Versorgung, und die Versicherung hilft erneut: eine Hausratversicherung für die Wohnung, eine Ausbildungsversicherung fürs Kind und eine Lebensversicherung zur Sicherung des Lebensstandards im Alter und zur Versorgung der Hinterbliebenen.
Wenn der berufliche Erfolg schließlich ein Eigenheim ermöglicht, ist es wiederum der Versicherer, der den Bauherrn begleitet mit einer Haftpflichtversicherung und einer Gebäudeversicherung.
Dies ist selbst im privaten Bereich nur eine sehr kleine Auswahl der vielen Vorsorge-Möglichkeiten.

Waren lassen sich üblicherweise betrachten und befühlen. Eine Melone zum Beispiel kann man durch Daumendruck auf ihre Reife überprüfen. Ein Kleidungsstück muss nicht nur schick sein, sondern auch einem Qualitätstest standhalten: Ist das Gewebe wollig-weich, ist der Stoff strapazierfähig genug? Ein Gebrauchsgegenstand darf durchaus formschön sein, das Hauptaugenmerk wird jedoch darauf gerichtet, dass er praktisch und leicht zu handhaben ist. Selbst beim Kauf von Konserven wählt das Auge mit, sei es wegen der Marke, wenn es um die Qualität geht, oder sei es wegen der gefälligen Gestaltung der Etiketten.

Bei einer Versicherung geht das nicht; denn sie ist nun mal eine unsichtbare Ware. Da gibt es ein paar Bogen Papier im Format DIN A4, die nach Lust und Laune Versicherungsschein oder Police genannt werden. Das war's dann. War's das wirklich?
In den frühen Jahren der Assekuranz ganz sicher nicht.
Wer heute seinen Versicherungsschein-Ordner durchblättert, findet zumeist typografisch eher langweilig gestaltete Computerausdrucke. Das war im 19. und in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts anders. Damals wurde ein Versicherungsvertrag nicht schlicht und vor allen Dingen einfach dokumentiert, sondern durch die aufwendige grafische Gestaltung zu einem Wertpapier gemacht. Die "unsichtbare Ware" erhielt ein Gesicht, das sowohl durch die Typografie als auch durch die in schwungvoller Schönschrift eingetragenen persönlichen Daten einen individuellen Charakter erhielt.  Auf diese Weise wurde dem Kunden bescheinigt, dass er durch den Abschluss des Vertrages weise gehandelt hatte und mit Recht stolz auf seinen Entschluss sein konnte.
Gebrauchsgraphiker wurden jene Gestalter genannt, die sich schöpferisch mit werblichen Auftritten gleich welcher Art, also auch mit dem Entwurf von Versicherungsscheinen, befassten. Diese Berufsbezeichnung
war nicht abwertend gemeint, sondern sollte lediglich das Aufgabengebiet gegenüber denjenigen abgrenzen, die sich der zweckfreien Grafik verschrieben hatten. Doch wo hörte der Qualitätsanspruch an einen so genannten Gebrauchsgraphiker auf und wo begann der eines frei schaffenden Künstlers, der sich der Techniken des Holzschnitts, des Stichs, der Lithografie oder der Serigrafie bediente? Hatte der große Henri de Toulouse-Lautrec seine heute so sehr bewunderten Plakate etwa nicht zu Werbezwecken geschaffen?

Gewiss hatten die Auftraggeber von Policen-Entwürfen damals neben der werblichen auch eine künstlerische Wirkung im Sinn. Die Ergebnisse, und das zeigen die in Gotha ausgestellten Beispiele, sind nicht immer gelungen. Der schmale Grad zwischen Kunst und Kitsch wurde mitunter durchaus in die eine oder andere Richtung verlassen. Neben dem offensichtlichen Unterschied in der Qualität dokumentieren die Exponate auch klar den Wandel des Zeitgeschmacks, der Mode. Lebensweise und Nationalgefühl ihrer Kunden spiegeln sich nicht selten im - wie es heute heißt - Corporate Design der Versicherungsunternehmen wider. Doch gerade deshalb wirken die historischen Policen in unserer nüchternen Zeit wie kleine Schätze aus einer längst vergangenen Epoche. Diese Wertpapiere haben auch als Exponate im Museum noch ihren Wert. Dieser lässt sich zwar nicht in bare Münze verwandeln (es sei denn, ein begeisterter Sammler zückt sein Scheckbuch), den Besuchern des Museums der deutschen Versicherungswirtschaft vermittelt er jedoch das Flair einer Zeit, in der es nicht nur um den bloßen Abschluss kaufmännischer Verträge ging, sondern auch um einen gewissen damit verbundenen Stil.

Dies hat uns letztlich dazu bewogen, diese Seite dem Thema historische Versicherungsscheine zu widmen. Leider können wir Ihnen nicht alle der vielen Beispiele zeigen, die im Museum der deutschen Versicherungswirtschaft ausgestellt sind. Vielleicht ist dies jedoch schon Anregung genug für Sie, sich einmal auf den Weg in den idyllischen Freistaat Thüringen zu machen, um neben diesen abwechslungsreich gestalteten Wertpapieren auch die große Auswahl anderer Exponate rund um das nationale und internationale Versicherungswesen zu bestaunen.

To top Home page Information Site map Contact us