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Schutzschilder

Schutzschilder
Blechschild der Garantia, Portugal
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Der Phoenix, der aus der Asche steigt...
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Blechschild der Securitas, Belgien

Die Geschichte der Versicherungsschilder ist eng verbunden mit der Gründung von Feuerversicherungsgesellschaften nach dem großen Brand von London im Jahre 1666. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gab es noch keine öffentlichen oder freiwilligen Feuerwehren. Wegen der großen Brandgefahr, die von den meist noch in Holz errichteten, dicht an dicht stehenden Häusern ausging, versuchten die Versicherer die Risiken dadurch zu minimieren, dass sie derartige Wehren ins Leben riefen. Damit die Brandbekämpfer jedoch wussten, welche Häuser bei ihrem Arbeitgeber versichert waren und daher als erste gelöscht werden mussten, wurden die Versicherungsschilder erfunden.

Zunächst waren sie aus Blei und zuweilen handbemalt. Sie trugen in der Regel die Versicherungsnummer und wurden so an der Fassade des jeweiligen Hauses angebracht, dass sie einerseits gut sichtbar, andererseits jedoch außerhalb der Reichweite von Dieben waren. Nachdem die Bleipreise ins Unermessliche gestiegen waren, weil zum Beispiel Napoleon dieses Metall für seine wenig friedlichen Zwecke in Mengen vergeudet hatte, wurden die Schilder in verschiedenen anderen Materialien - von Messing und Zink bis zum emaillierten Eisenblech - hergestellt.

Allmählich - mit dem Zusammenschluss von Feuerwehren und der vermehrten Übernahme dieser Sicherungsfunktion durch die Kommunen - verloren die Feuerversicherungsschilder ihre ursprüngliche Aufgabe. Sie wurden kleiner und dienten mehr dem Werbehinweis auf das Unternehmen, dem der Versicherungsschutz anvertraut worden war. Oder sie nahmen an Umfang zu und wiesen - mit entsprechenden Hinweisen - auf Agenturen hin, bei denen derartige Verträge abgeschlossen werden konnten. Von dieser Möglichkeit machten dann auch andere Unternehmen der Branche Gebrauch, zum Beispiel Lebensversicherer.

Wie diffizil die Montage vor allem der Emailschilder war, verrät eine Anleitung auf der Rückseite eines Exemplars der "Land-Feuersozietät der Provinz Sachsen" - die 1941 mit der "Städte Feuersozietät der Provinz Sachsen" zur "Feuersozietät der Provinz Sachsen" verschmolzen und 1945 aufgelöst wurde. Die "Aetz- und Emaillierwerke C. Robert Dold" im badischen Offenburg warnten: "Wichtig! Nicht annageln, sondern vorsichtig anschrauben! Verzinkte Schrauben werden von uns geliefert. Zum Schutze gegen Emailabsplitterungen sind die Schrauben mit aufgepressten Bleiunterlegscheiben versehen. Auf Wunsch können wir die Plakate auch mit Patent-Bleischutzösen, die von uns in die Löcher eingepresst werden, liefern. Festes Anschrauben ohne Bleischutzösen oder Unterlegscheiben kann die Beschädigung des Emailplakates verursachen."

Der Amerikaner William L. Evenden und seine deutsche Frau Lore waren nach eigenem Bekunden durch einen amerikanischen Freund 1969 mit dem Sammler-Virus infiziert worden.

Zunächst hatten sie in England Schilder erworben - im Handel und, zumeist erst nach sehr viel gutem Zureden, von Hauseigentümern - und sie an den Freund weiter gegeben. Schon nach kurzer Zeit jedoch sammelten sie für sich selbst. Als die privaten Lagermöglichkeiten schließlich nicht mehr ausreichten, entschloss sich das Ehepaar Evenden, einen großen Teil der Sammlung zu verkaufen. Hierbei fanden sie in Günther Gottschalk vom Museum der deutschen Versicherungswirtschaft einen interessierten und sachverständigen Partner. In zahlreichen Vitrinen im Museum und in dem imposanten Treppenhaus des Gebäudes an der Bahnhofstraße 3 a in der thüringischen Residenzstadt Gotha werden Hunderte dieser Versicherungsschilder präsentiert. Auf dieser Homepage finden Sie eine Auswahl dieser kleinen Kunsthandwerke.

Als Standardwerk auf diesem Gebiet gilt der reich und zum Teil farbig illustrierte, informative Großband "Deutsche Feuerversicherungs-Schilder / German Fire Marks" von William L. Evenden, der 1989 im Verlag Versicherungswirtschaft e.V., Karlsruhe, zweisprachig Deutsch / Englisch mit einem Umfang von 364 Seiten erschienen ist. Das Buch enthält zudem Kurz-Chroniken von 164 deutschen sowie zahlreichen europäischen Versicherungsgesellschaften.

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